Porträt / heribert wirth

Werte / N° 23

Ein

Leben

fürs

Wasser

Seit über 30 Jahren bekämpft HERIBERT WIRTH mit seiner Stiftung weltweit die Armut

M

ein Vorbild? Heribert Wirth muss nicht lange nachden- ken. „Mein Vorbild, das war mein Vater. Ich wollte wer- den wie mein Vater.“ Dann macht er eine kleine Pause,

holt Luft. „Nur mit dem einen Unterschied: Ich wollte erst Geld verdienen, um dann mit dem Geld helfen zu können.“ Anton Wirth, Chef einer großen katholischen Genossenschaftsbank, sah das an- ders. Er ließ Tausende von Sozialwohnungen bauen, ohne je an den eigenen Profit zu denken. „Mein Vater hat immer für die anderen gearbeitet, nur nicht für sich.“ Dekoriert mit jedem Orden, den ei- ner verliehen bekommen kann, der sich um die Gesellschaft ver- dient gemacht hat, starb Anton Wirth mit 66 Jahren an einem Herzinfarkt. Und sein Sohn hielt Wort. Heribert Wirth machte zu- erst sein eigenes Vermögen. Heute ist er 82, und er hilft immer noch.

Die Zeugnisse seiner persönlichen Mission verteilen sich in beein- druckender Weise um den ganzen Planeten. Mit Projekten seiner Stiftung „Wasser für die Welt“ brachten Wirth und seine Ehefrau Margit Hoffnung in über 250 Dörfer in Entwicklungs- und Schwel- lenländern. Brunnenbau in Afghanistan, Indien oder Togo, der Kauf von 77 wasserschleppenden Eseln in Eritrea, der Aufbau der Abwasserversorgung in Indien, Regenwassertanks für Uganda. Nur eine kleine Auswahl. Doch Heribert Wirth knüpft sein Engagement an Bedingungen. „Die Dörfer brauchen meist viel mehr als nur fri- sches Wasser“, sagt er. „Mit Wasser geht es den Leuten zwar besser. Aber danach muss man schauen, dass die Mädchen in die Schule gehen können.“ Denn nicht selten, so Wirth, seien in vielen Kultu- ren die Frauen und Mädchen gerade gut genug, um Wasser zu ho- len. Das könne er nicht akzeptieren. Daher gehen immer auch Bil- dungsverpflichtungen mit seinen Wasserprojekten einher.

Dass Armut ganz ursächlich mit der Verfügbarkeit von Wasser zu tun hat, sah der Geschäftsmann Wirth auf Hunderten von Dienst- reisen im Nahen Osten. Dort widmete er sich als Spezialist für Ge- bäudetechnik – damals war seine Firma größter deutscher Player dieser Art im Ausland – spektakulären Bauvorhaben, kümmerte

sich um Bereiche wie Wasserversorgung, Fernheizung oder Klima- tisierung. 1986 gründete er „Wasser für die Welt“. Einen Teil seines Einkommens investierte er fortan in die Stiftung. Wenig später be- gab er sich aufgrund einer schweren Erkrankung in den Ruhe- stand. Das ist nun 32 Jahre her.

Zu Wirths Lebenswerk gehört ebenso der Nepal Himalaya Park in Wiesent bei Regensburg, der inzwischen auch eine Stiftung ist. Das Herzstück des mittlerweile neun Hektar großen Areals stellt der nepalesische Pavillon dar, der einst auf der Expo 2000 in Hannover stand. Drum herum hat Heribert Wirth die weltgrößte Sammlung von Himalayapflanzen inszeniert. Doch auch er hat hier plötzlich mit einem Wasserproblem zu kämpfen. Die alljährlichen Dürren zwingen zum Umdenken. Viele der Pflanzen, die er aussät, stam- men aus Wüstengebieten.

Heribert Wirth kennt keine Ruhe. Weder mit seinem Park noch mit seinen Hilfsprojekten. „Ich kann nie zufrieden sein, wenn man weiß, wie viel Not auf der Welt herrscht.“ Und wird er wie einst sein Vater bis zum letzten Tag weitermachen? „Natürlich!“

TEXT: Martin Häusler

ILLUSTRATION: Carla Fuentes

HERIBERT WIRTH

Am Anfang war die Musik: Sein erstes Geld verdiente Heribert Wirth mit Texten für volkstümliche Lieder. Nach einer Bankleh- re, die er dem Vater zuliebe absolvierte, gründete er als Zwanzigjähriger die späte- re Scheu + Wirth AG. Der Gebäudetechnik- spezialist wagte sich an Projekte, die ande- re für undurchführbar hielten. 1986 hat er zusammen mit seiner Frau die Stiftung „Wasser für die Welt“ gegründet.

wasser-fuer-die-welt.de

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