Portrait Klaus Weinmann

Werte / N° 21

Digitale

Brücke

in die

Zukunft

Die Primepulse-Gruppe kauft gezielt Mittelständler, die komplexe Industrielösungen anbieten – denn darin sieht Geschäftsführer KLAUS WEINMANN Deutschlands große Chance in der Digitalwelt

M

odewörter führen leicht zu Missverständnissen. Digitali- sierung etwa: Da springt der Kopf sofort ins Silicon Val- ley, ist bei Apple, Google, Facebook. Aber wer denkt an

Gleichrichter oder Stellmotoren? Dabei versteckt sich genau in die- sem Bereich eine gigantische Chance für den deutschen Mittel- stand. Klaus Weinmann hat da keinen Zweifel: Er sieht, wie gut das Geschäft läuft – abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit, aber im Zentrum der Nachfrage nach cleveren Lösungen für Industriekun- den. Denn viele Firmen merken, dass sie Sensoren, Algorithmen und Computerpower brauchen, um schneller, effizienter und profi- tabler zu arbeiten. „Man darf sich Digitalisierung nicht vorstellen als: ,Wir bringen jetzt ein geniales Produkt auf den Markt‘“, sagt Weinmann. „Das sind eher Einzelfälle.“ Weinmann spezialisiert sich mit seiner Münchner Firma Primepulse darauf, das ohnehin schon Gute noch besser zu machen – solide, bodenständig und mit einer gezielten Portion Perfektionismus. Zugleich aber auch voraus- schauend, weltweit vernetzt, mit fast 30 Jahren Erfahrung aus der Welt der Bits und Bytes.

Entstanden ist Primepulse aus der Herausforderung, Tradition und Moderne zusammenzuführen; so geschickt, dass die Unter- nehmen ihre Stärken auch in einem neuen Zeitalter ausspielen können. Bei Primepulse stand auf der einen Seite der Maschinen- bauer AL-KO, seit Jahrzehnten erfolgreich mit Rasenmähern, Luft- technik, Autoteilen. Auf der anderen Seite wuchs der Digital- Dienstleister Cancom heran, den Weinmann 1992 gemeinsam mit Raymond und Stefan Kober ins Leben gerufen hatte – Enkeln des AL-KO-Gründers. „Es hatte dann Sinn, beides zusammenzubrin- gen“, erklärt Weinmann. „Das Familienunternehmen plus unser Know-how von Cancom.“

Primepulse dient als Bindeglied und Vermittler zwischen den Welten. Statt Firmen zu verschmelzen, die sich eher fremd sind, setzen die Gründer auf den Netzwerk-Gedanken: Primepulse fun- giert als Holding und sucht nach anderen Mittelständlern, deren Geschäft sich durch eine Prise Digitalisierung noch deutlich aus- bauen lässt. „Wir sind oft eine helfende Hand für Unternehmens- nachfolge“, erklärt Weinmann. „Der Digitalisierungs-Touch ist ge- fragt. Besonders, wenn ein Generationswechsel ansteht.“ Mit ge- zielten Investitionen soll Primepulse möglichst bald zwei Milliar- den Euro Umsatz erreichen. „Der Ansatz ist: Wir brauchen einen Markt, der Aussicht auf langfristiges Wachstum bietet.“

Das Geschäft darf gern grundsolide sein, solange es Luft nach oben hat. So wie bei Stemmer Imaging, einem Spezialisten für in- dustrielle Kamerasysteme, an dem Primepulse 54 Prozent hält. Ein Hersteller von Kaffeekapseln nutzt nun Stemmers Bilderkennung, jede Kapsel auf Defekte zu untersuchen. Die Ausschussquote fiel signifikant, viele Tonnen Aluminium werden gespart. Die Techno- logie gehört Stemmer, was Weinmann wichtig ist: „Wir versuchen, Systeme so zu entwickeln, dass wir sie mehrfach vermarkten können.“

So zieht sich das durch alle Bereiche des Portfolios: Ob Software, Internet der Dinge oder Batterietechnik, immer geht es um Spezi- allösungen, die digital Zusatznutzen erhalten. In dieser Strategie sieht Weinmann einen guten Weg für den deutschen Mittelstand: „Wir müssen die Komplexität suchen“, darin liegt aus seiner Sicht die Stärke deutscher Firmen im Vergleich zur internationalen Kon- kurrenz. „Unser Perfektionismus ist bei vielen Anwendungen ein Vorteil. Und der Weltmarkt ist groß genug für uns, um weiterhin gut leben zu können.“ Ohne großes Aufsehen vielleicht, aber ver- lässlich erfolgreich – wie vom Mittelstand gewohnt.

Text: Karsten Lemm

Foto: Sigrid Reinichs

Klaus Weinmann

Gemeinsam mit Raymond Kober und Stefan Kober hat Klaus Weinmann 2016 Primepulse gegründet. Die Holding beteiligt sich an Unter- nehmen, die Industrielösungen anbieten, ihr Digital-Know-how soll allen Firmen im Portfo- lio helfen, neue Angebote für die vernetzte Wirtschaft zu entwickeln. Primepulse ist unter anderem an Stemmer Imaging, Katek und

AL-KO beteiligt.

› primepulse.de